Fazil Say

Composer in Residence 2018 | 2019

Gleichzeitig Komponist und Interpret zu sein, war in früheren Jahrhunderten eine Selbstverständlichkeit: Mozart und Beethoven waren es, von Bach weiß man, was für ein genialer Improvisator er auf der Orgel war, und Klavierlegenden wie Chopin oder Liszt komponierten viele Werke für sich selbst. In der heutigen Pianistengeneration scheint das nicht der Fall zu sein – mit einer großen Ausnahme: Fazıl Say macht sowohl mit Interpretationen als auch mit Kompositionen weltweit von sich reden. Das Improvisieren gehört seit frühester Kindheit zu seiner täglichen Auseinandersetzung mit Musik. Ein großes Interesse am Jazz prägt sein Musikverständnis – als Komponist lässt er diese Elemente immer wieder einfließen. Mit seinem außergewöhnlichen pianistischen Vermögen berührt Fazıl Say das Publikum in einer ganz besonderen Weise. Seine Konzerte sind andere Konzerte. Sie sind direkter, offener, aufregender, kurz gesagt: Sie treffen ins Herz. Als Pianist und Kammermusiker gastiert er auf allen Kontinenten, häufig zusammen mit Patricia Kopatchinskaja, Maxim Vengerov, dem Minetti Quartet, Nicolas Altstaedt und Marianne Crebassa.

Fazıl Say wurde 1970 in Ankara geboren. Mit vier Jahren begann er, Klavier zu spielen. Den Anstoß zum Komponieren erhielt Say bei einem Workshop mit David Levine und Aribert Reimann in Ankara. Diese beiden Künstler erkannten sein Talent („Der Junge spielt wie der Teufel!“) und vermittelten ihm Studienaufenthalte in Düsseldorf und Berlin.

Der Gewinn des ersten Preises bei den Young Concert Artists International Auditions in New York beflügelte seine Karriere als Pianist, gleichzeitig entstanden Kompositionen von größer besetzten Werken, u. a. das 2. Klavierkonzert „Silk Road“.

Im Auftrag des türkischen Kultusministeriums komponierte er das Oratorium „Nâzım“ auf Verse des türkischen Dichters Nâzım Hikmet. In einem Violinkonzert für Patricia Kopatchinskaja gelang ihm mit atmosphärischer Orchestertextur und dem Einsatz türkischer Perkussionsinstrumente der Brückenschlag zwischen der Musik seiner Heimat, Jazzelementen und der europäischen Kunstmusik.

Sein Schaffen umfasst Kompositionen für Soloklavier, Kammermusik und Orchester. Die Salzburger Festspiele, der WDR, das Konzerthaus Dortmund, das Schleswig-Holstein Musik Festival und die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern u. a. erteilten ihm Kompositionsaufträge.

Die Dresdner Philharmonie führte 2016 seine 2. Sinfonie „Mesopotamia“ auf, ein vielfarbiges Porträt der uralten Kulturlandschaft zwischen Euphrat und Tigris, und wird mit der Uraufführung der 4. Sinfonie „Umut“ die Saison eröffnen.